Workshop „Gleichstellung für Nachwuchswissenschaftler*innen an sächsischen Hochschulen“

Die Teilnehmer*innen beim Gleichstellungsworkshop der HSZG

Ende Oktober 2025 startete das neue Programm für Nachwuchswissenschaftler*innen an der Hochschule Zittau/Görlitz: „Young Scientists@HSZG“. Ziel ist es, Forschende in frühen Karrierephasen zu stärken – mit Orientierung, Sichtbarkeit und praktischen Tools für ihren Weg in die Wissenschaftskommunikation. Ende März 2026 fand im Zittauer CELSIUZ im Rahmen von „YoungScientists@HSZG“ der Anschluss-Workshop „Gleichstellung für Nachwuchswissenschaftler*innen an sächsischen Hochschulen“ statt.

Die Hochschulrektorenkonferenz – der freiwillige Zusammenschluss der staatlichen und staatlich anerkannten Hochschulen in Deutschland – schreibt auf ihrer Homepage: „Im deutschen Wissenschaftssystem sind Frauen auf den höheren Qualifikationsebenen sowie in Leitungsfunktionen unterproportional vertreten. Zwar stellen Frauen die Hälfte der Studienanfänger*innen, Studierenden und Hochschulabsolvent*innen, doch an den Schnittstellen Hochschulabschluss/Promotion und Promotion/Habilitation scheiden überproportional viele Frauen aus der Wissenschaft aus. Ihr Anteil an den Professuren beträgt rund 26 Prozent, bei 25 Prozent liegt ihr Anteil an den Hochschulleitungen.“

Das Thema Gleichstellung umfasst nicht nur Genderfragen, sondern bezieht Aspekte von Inklusion, Barrierefreiheit und Vielfalt (Diversity) mit ein. So schreibt der Freistaat Sachsen auf dem Portal „Studieren in Sachsen“: „Diversity-Management an Hochschulen toleriert nicht nur die individuelle Verschiedenheit der Menschen, sondern hebt diese wertschätzend hervor. Verschiedenheit soll positiv für den Erfolg der Hochschule nutzbar gemacht werden. Diversity an Hochschulen bedeutet beispielsweise den Ausbau der Chancengleichheit und die Stärkung der Gleichstellungsbeauftragten, die Stärkung von Frauen im Wissenschaftssystem, die gleichberechtigte Teilhabe von Studierenden und Mitarbeitenden mit Behinderung und chronischen Erkrankungen oder das Anstreben einer besseren Vereinbarkeit von Studium und Familie sowie Diskriminierungsschutz.“

Verbindung von Nachwuchsförderung, Chancengerechtigkeit und Gleichstellung

Die aufgeführten Hintergrundinformationen dienen zur Kontextualisierung des jetzigen Workshop-Themas an der HSZG. Der Workshop „Gleichstellung für Nachwuchswissenschaftler*innen“ war als transferorientiertes Qualifizierungs- und Austauschformat verortet. Er verband wissenschaftliche Nachwuchsförderung mit einem hochschulübergreifenden Wissenstransfer zu Chancengerechtigkeit, Diversität und Gleichstellung in der Wissenschaft. Zugleich bot das Format die Möglichkeit, Erkenntnisse aus Gleichstellungsfragen gezielt in MINT-nahe (MINT = Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) Forschungs- und Hochschulkontexte zurückzuspielen und damit Impulse für eine reflektierte, diskriminierungssensible Wissenschaftspraxis zu setzen.

Ziele des Workshops waren u. a. die Erarbeitung zentraler Konzepte von Gleichstellung, Vielfalt und Privilegien im Hochschulkontext, die Reflexion eigener Positionierungen, Rollen und Machtverhältnisse in wissenschaftlichen Arbeitszusammenhängen sowie das Erkennen unbewusster Vorurteile (Unconscious Bias) und deren Auswirkungen auf wissenschaftliche Karrieren. Zugleich sollten die 17 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – zehn von der Hochschule Zittau/Görlitz, sechs von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden und eine Nachwuchswissenschaftlerin von der Hochschule Mittweida – für Gleichstellungsthemen (insbesondere im MINT-Kontext) sensibilisiert werden. Übergeordnetes Ziel und übergeordnete Aufgabe für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer: „Der Workshop soll dazu ermutigen und befähigen, die Bedeutung von Gleichstellung und intersektionaler Diskriminierung auf die eigene Lehr- und Forschungspraxis zu übertragen und die Bedingungen für erfolgreiches Arbeiten in vielfältigen Teams schaffen, "sagen die Workshop-Leiterinnen Julia Ochmann und Bernadette Rohlf. Letztere ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin am TRAWOS-Institut (Institut für Transformation, Wohnen und soziale Raumentwicklung) der HSZG tätig, Julia Ochmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Stabsstelle Hochschulentwicklung und Kommunikation des Rektorats der HSZG.

Noch stärkeres Augenmerk auf Diversitätsdimensionen

Workshop-Teilnehmerin Franziska Stauche, ESF+ Stipendiatin (ESF+ = Europäischer Sozialfonds Plus, Anm. der Red.) und wissenschaftliche Mitarbeiterin in dem vom BMFTR (Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt) geförderten Projekt „NextGen" an der Hochschule Mittweida, sagt: „Ich kam in meinem Studium der sozialwissenschaftlichen Diversitätsforschung schon mit einigen Themenpunkten des Workshops in Kontakt. Trotzdem hat mir der Workshop gezeigt, welchen Wandel ich selbst als Individuum in Bezug auf Chancengerechtigkeit im Laufe der Zeit erfahren habe. Durch den Kontakt zu den anderen Teilnehmenden wurde für mich deutlich, dass Chancengerechtigkeit auch sehr unterschiedlich verstanden werden kann – und nicht für jede Person das Gleiche beinhaltet. Für meine Forschung bedeutet das, ein noch stärkeres Augenmerk auf die unterschiedlichen Diversitätsdimensionen zu legen. Der Workshop hat mich definitiv darin bestärkt, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Ich forsche selbst in meiner Promotion über dieses Thema und wurde durch den Workshop und den praktischen Einblick daran erinnert, welche Bedeutung das Thema hat.“

Chancengerechtigkeit kein abstraktes Ziel, sondern tägliche Aufgabe

Workshop-Teilnehmer Tom Richter, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HSZG an der Professur für Hochspannungstechnik und Nachwuchswissenschaftler in der Nachwuchsforschergruppe „Hybrid Plus", bilanziert: „Der Workshop hat vor allem mein Bewusstsein dafür geschärft, dass Chancengerechtigkeit kein abstraktes Ziel für den oder die Gleichstellungsbeauftragte*n, sondern eine tägliche Aufgabe auch für uns Nachwuchsforschende ist. Ich hinterfrage nun aktiver meine eigenen unbewussten Vorurteile (Unconscious Bias) und achte stärker darauf, wie strukturelle Ungleichheiten in der Wissenschaftskommunikation und Teamarbeit wirken. Besonders erhellend waren für mich die Erfahrungsberichte der Kolleginnen und Kollegen, die selbst schon Diskriminierung im Studium oder Arbeitsalltag erleben mussten. Bei diesem „worst of" war man manchmal sprachlos. Umso beeindruckender waren dann aber auch die Erzählungen von Personen, die sich offen gegen solches Verhalten positioniert haben. Das hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, diskriminierendes Verhalten nicht hinzunehmen, auch wenn man sich dafür manchmal aus der Komfortzone bewegen muss.“

veröffentlicht am 29.04.2026, von Frank Leberecht

Ort

CELSIUZ-Labor – Decision Theatre
Äußere Oybiner Str. 16
02763 Zittau

Veröffentlichungsdatum

29.04.2026

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