Dialog Kontrovers 2022 „Rassismus in und zwischen uns – Rassist:innen sind (immer) die anderen“

Rasse ist keine biologische Tatsache sondern eine soziale Konstruktion. Anhand von äußeren körperlichen auch kulturellen Merkmalen werden qualitative Unterschiede zwischen Menschen gemacht. Lange dachte man, mit der Tabuisierung des Rassebegriffs wäre auch der Rassismus verschwunden.

Rassismus äußert sich aber nicht nur in offenen rassistischen Gewaltakten, sondern ist auch in der bequemen Selbstgewissheit, selbst nicht rassistisch zu sein, verborgen, versteckt und kaschiert. Wie tief ist das kolonialistische Erbe in unserer „weißen“ Mehrheitsgesellschaft verankert? Reichen die Umbenennungen von Kunstwerken und Straßenamen, eine diskriminierungssensible Sprache, um nicht immer wieder rassistische Vorurteile zu reproduzieren?

Mitunter wird dies aber auch als ein Minenfeld erlebt. So sind auch die „Gutwilligen“ verunsichert: Was kann man sagen, was darf man und sollte man wie ansprechen, welche Worte darf man nicht benutzen? Was ist noch oder schon wieder rassistisch? Das können wir nur herausbekommen, indem wir darüber sprechen.

Es diskutieren:

Prof. Dr. Martina Tißberger
Die Psychologin ist seit 2014 Professorin für Interkulturelle Soziale Arbeit an der Fachhochschule Oberösterreich in Linz. Sie forscht und lehrt zu Subjektivierung in Differenz- und Machtverhältnissen mit dem Fokus auf die Intersektionen von Rassismus, Gender und Sexualität. Zuvor lehrte Sie u. A. an der Humboldt-Universität zu Berlin in den Gender Studies, der Alice Salomon Hochschule Berlin im Studiengang Erziehung und Bildung im Kindesalter – und verbrachte mehrjährige Forschungsaufenthalte an der University of California in Berkeley (USA) und der Legon University in Accra (Ghana).

Dr. med. Amma Yeboah
Die promovierte Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie ist Trainerin für Empowerment und Critical Whiteness sowie psychodynamische Supervisorin und Coach (DGSv). Sie interessiert sich für die Auswirkungen von Diskriminierungserfahrungen auf die Psyche und lehrt über Geschlechteraspekte der Gesundheitsversorgung und intersektionale Perspektiven in der medizinischen Forschung – u. A. an der Universität zu Köln.

Prof. Dr. Frank Zöllner
Der Kunsthistoriker ist Spezialist für die Kunst der italienischen Renaissance und der Klassischen Modern sowie Mitglied und Preisträger der Sächsischen Akademie der Wissenschaften. Seit 1994 ist er Professor für Mittlere und Neurere Kunstgeschichte an der Universität Leipzig und Direktor des Instituts für Kunstgeschichte. Der Gastautor für die Zeit verfasste zahlreiche Publikationen zur Kunst und Kunsttheorie der Renaissance und des 20. Jahrhunderts.

Moderator des Abends

Prof. Dr. Stefan Busse
Der Psychologe, Supervisor und Coach (DGSv) ist Professor für Psychologie und wissenschaftlicher Direktor des „Institutes für Kompetenz, Kommunikation und Sprachen“ (IKKS) an der Hochschule Mittweida. Er lehrt und forscht in den Bereichen Professionalität, Beratung, Teamentwicklung und Führung.