Robotik in der Pflege – Praxis und Wissenschaft im Dialog

Roboterrobbe PARO liegt auf einem Tisch

Was kann Robotik in der Pflege leisten und was nicht? Dieser Frage widmete sich am 1. Juli 2026 ein partizipativer Workshop im CELSIUZ Zittau, zu dem das Institut für Gesundheit, Altern, Arbeit und Technik (GAT) der Hochschule Zittau/Görlitz (HSZG) eingeladen hatte.

Pflegepraxis trifft Forschung

Der Workshop wurde bewusst als partizipatives Format konzipiert. Im Fokus stand nicht ein Vortrag über Robotik, sondern ein gemeinsamer Austausch: Pflegekräfte, Einrichtungsleitungen, Digitalisierungsverantwortliche sowie einzelne Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft und Technik brachten ihre Perspektiven, Alltagserfahrungen und kritischen Fragen ein. Die Teilnehmenden wurden damit nicht als Zielgruppe einer Präsentation verstanden, sondern als aktive Mitgestalterinnen und -gestalter eines gemeinsamen Wissensprozesses.

Den Einstieg in den Abend bildete ein Impulsreferat von Prof. Dr. Hans Böhme der HTWD, das einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung zu Robotik und assistiven Technologien in der Pflege gab und damit die Grundlage für die anschließenden Tischdiskussionen legte. Der Mittelpunkt des Abends war das World Café: Vier Tische mit je einer Leitfrage luden die Teilnehmenden dazu ein, in wechselnden Kleingruppen zu diskutieren. Nach jeder Runde wurde der Tisch gewechselt, sodass im Laufe des Abends jede Person mit den Themen aller vier Tische in Berührung kam. Am Ende wurden die zentralen Erkenntnisse im gemeinsamen Plenum zusammengetragen und reflektiert.

Stimmen aus der Praxis – Was der Workshop zeigte

Der Workshop brachte differenzierte Einblicke in die Haltungen, Erfahrungen und Bedarfe der Pflegepraxis gegenüber dem Einsatz von Robotik und digitalen Technologien hervor.

Tisch A: Chancen – Wo kann Technik unterstützen?

Körperlich entlastende Anwendungen, wie Mobilisierung, Lagerung oder Sturzerkennung, stießen auf breite Zustimmung. Sozialen Robotern und Kommunikationsassistenten gegenüber blieben die Teilnehmenden skeptisch: Menschliche Zuwendung und Empathie können und dürfen durch Maschinen nicht ersetzt werden, so der Konsens. Technik wurde klar als Ergänzung, nicht als Substitut verstanden.

Tisch B: Grenze – Was Technik nicht leisten darf.

Wo körperliche Nähe, seelsorgerliche Begleitung oder Menschenwürde unmittelbar berührt werden, zogen die Teilnehmenden klare Grenzen. Pflege sei in ihrem Kern ein menschliches Verhältnis und Technik könne und dürfe dieses nicht ersetzen, sondern allenfalls ergänzen. Besonders kritisch bewertet wurden Roboter in der Sterbebegleitung sowie Systeme, die in die Privatsphäre der Pflegebedürftigen eingreifen.

Tisch C – Hemmschwellen – Wo der Weg zur Technik noch holprig ist

Die Gruppe identifizierte vier zentrale Barrieren: hohe Anschaffungskosten, Datenschutzbedenken gegenüber sensorbasierten Systemen, Generationenunterschiede in der Technikakzeptanz sowie fehlende rechtliche und haftungsrechtliche Rahmenbedingungen. Hemmschwellen entstehen dabei oft weniger durch die Technologie selbst als durch mangelnde Beteiligung der Pflegekräfte und fehlende Begleitung bei der Einführung.

Tisch D – Erfahrungen: Was die Praxis bereits weiß

Digitale Pflegedokumentation, KI-gestützte Formulierungshilfen und Sensormatten sind in einzelnen Einrichtungen bereits im Einsatz – mit spürbarer Entlastungswirkung. Wo Technik scheitert, liegt es selten an der Technologie selbst, sondern an fehlender Schulung und mangelnder struktureller Einbettung. Technologietransfer in die Pflege ist ein organisationales und kulturelles Veränderungsprojekt.

Zirkulärer Transfer – Von der Forschung in die Praxis und zurück

Ein zentrales Ziel des Abends war der zirkuläre Transfer: Der wissenschaftliche Impulsvortrag zu Beginn brachte aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung in die Praxis. Die Ergebnisse des World Cafés fließen nun in umgekehrter Richtung zurück in die Forschung des GAT. Dieses Verständnis von Wissenschaftstransfer als wechselseitigem Prozess ist kennzeichnend für den Co-Creation-Ansatz. Forschung wird nicht über die Praxis betrieben, sondern mit ihr. Problemdefinitionen, Lösungsansätze und Bewertungen entstehen somit im gemeinsamen Dialog.

Offen diskutiert, gemeinsam weitergedacht

Der Workshop „Robotik in der Pflege?" hat gezeigt, dass das Thema in der Pflegepraxis mit allem Potenzial und aller Ambivalenz angekommen ist. Die Teilnehmenden brachten ein bemerkenswertes Maß an Reflexionsvermögen und Offenheit mit. Sie äußerten Skepsis, wo Skepsis angebracht ist und erkannten Chancen, wo Technik echte Entlastung bringen kann.

Das GAT-Institut plant, die begonnenen Gespräche in weiteren partizipativen Formaten und durch Forschungsvorhaben, die die gewonnenen Erkenntnisse vertiefen, weiterzuführen.

Gesamte Ergebnisdokumentation des Workshops

Veranstaltungsbericht_Robotik_in_der_Pflege.pdf 6,7 MB

veröffentlicht am 27.07.2026, von Maria Fabisch

Ort

CELSIUZ
Äußere Oybiner Straße 16
02763 Zittau

Veröffentlichungsdatum

27.07.2026

Kontakt

Ein Foto der Mitarbeiterin Maria Fabisch

Maria Fabisch, M.A.

Projektmitarbeiterin

Tel.: +49 3581 374 4996

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